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''Zwei Welten in einer Stadt''- Süddeutsche Zeitung berichtet über DJK-Basketballerinnen

Zwei Welten in einer Stadt


Bambergs Basketballerinnen sind erfolgreich – und doch ist ihre Geschichte eine ganz andere als die der Männer der Brose Baskets


Sieben Saisonsiege, im Pokal bereits in Runde drei – was den Erfolg angeht, stehen die Basketballerinnen der DJK Don Bosco Bamberg ihren männlichen Kollegen von den Brose Baskets in nichts nach. Beide Mannschaften dominieren die Konkurrenz (auch wenn die Männer nun in Berlin verloren haben), beide Teams grüßen in ihren Ligen von der Tabellenspitze. Und doch trennen sie sportlich und finanziell Welten.

„Das Risiko war zu hoch“

Während die Bamberger Männer in der Bundesliga und der Euroleague spielen und einen Jahresetat von rund sieben Millionen Euro zur Verfügung haben, müssen sich die Frauen mit der zweiten Liga und etwa 40 000 Euro Jahresbudget begnügen. Dabei könnte das Team von Trainer Steffen Dauer schon in der höchsten Spielklasse auflaufen. In der vergangenen Saison waren die DJK-Frauen Meister geworden, hatten im zweiten Finalspiel zu Hause und unter den Augen der Profis wie Casey Jacobsen und Brian Roberts die KuSG Leimen niedergerungen. Ein glatter Durchmarsch im ersten Jahr der Zweitligazugehörigkeit. Mit dem Aufstieg wurde es trotzdem nichts, „weil der Erfolg schneller kam, als die Strukturen wachsen konnten“, wie es DJK-Manager Jörg Zimmermann formuliert. Heißt: Zum einen fehlte das Geld für einen Mindest-Etat von 120 000 Euro, zum anderen stecken Führungsspielerinnen wieKathrin Gut noch in der Ausbildung und können dem Basketball deshalb nur bedingt die volle Konzentration widmen. Und da auch in der ersten Liga immer mindestens zwei deutsche Akteure auf dem Feld stehen müssen, hätten die DJK-Verantwortlichen noch die eine oder andere einheimische Verstärkung holen müssen. „Aus finanzieller Sicht ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Zimmermann, der nicht lange herumschwadroniert: „Die Rahmenbedingungen haben einfach nicht gepasst. DasRisiko, gleich wieder abzusteigen und damit mehr kaputt zu machen, als es am Ende zu gewinnen gibt, war zu hoch.“ Bis heute hat sich daran wenig geändert. Nunist es nichts Neues, dass kleinere Vereine notorisch am Hungertuch nagen und Randsportarten wie Frauenbasketball sich schwer tun, großzügige Geldgeber zu finden. Im Fall der Bamberger Korbjägerinnen gestaltet es sich allerdings umso schwieriger. Das Aushängeschild der Stadt heißt Baskets Bamberg, der Klub ist aktueller Meister und Pokalsieger, Liga-Primus und zieht zu Heimspielen im Schnitt 6800 Zuschauer in die Stechert-Arena. Für viele Sponsoren ein attraktiveres Pflaster als die Frauen mit ihren durchschnittlich 300 Besuchern.

Zielgruppe Familien

Daran wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern. Zimmermann will sich mit den Männern deshalb gar nicht erst vergleichen. „Das ist eine völlig andere Größenordnung“, sagt er und sieht es eher als sportliche Herausforderung, Geldgeber zu finden, die bereit sind, in ein kleineres Projekt zu investieren. „Wir müssen uns von den Baskets abheben, indem wir auf die Region und unser Alleinstellungsmerkmal als erfolgreicher Damenbasketball-Verein setzen.“ Zimmermann will dafür verstärkt Familien in die Halle locken, die eine persönliche und vertraute Atmosphäre schätzen. Bisher ist das nur bedingt gelungen. Weil das Dach der eigentlichen Spielstätte in der Graf-Stauffenberg- Halle seit Saisonbeginn repariert wird, mussten die Bambergerinnen bislang in der DreifachhalleamGeorgendamm spielen. „Die Parkplätze dort kosten extra, und das Catering ist aus logistischer Sicht schwerer. Da blieben einige Leute weg“, erklärt der DJK-Manager. Erst zum nächsten Pokalspiel Anfang Dezember gegen Erstligist SV Halle können die Bambergerinnen zurück in ihre angestammte Halle und vielleicht mit mehr Unterstützung rechnen. Was die Verhandlungen mit Sponsoren betrifft, sei man in Gesprächen mit potentiellen Partnern. Es ist ein mühsamer Weg, der keineswegs von Erfolg gekrönt sein muss, sagt Zimmermann. Die Hoffnung, dass es in naher Zukunft doch für Liga eins reichen wird, will er aber nicht aufgeben. „Ansonsten wäre ich ein schlechter Manager.“

© Matthias Fiedler, Süddeutsche Zeitung vom 23. November 2011

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